Eine Unterdrückung von Symptomen kann bei akuten oder chronischen Krankheiten auftreten.
Gerade bei einem akuten Geschehen kommt es häufig zu Ausscheidungsreaktionen des Körpers wie z.B. Durchfälle, Erbrechen, Fieber, Schweiße, Nasensekrete, Auswurf bei Husten, Hautausschläge....
Werden diese Prozesse wiederholt und dauerhaft abgeblockt und damit unterdrückt, kann sich das Geschehen ins Innere des Körpers verlagern und dort 'chronisch' weiter agieren. 
Auch chronische Krankheiten wie z.B. Neurodermitis können mittels Salben, Tinkturen u.a. äußerlichen Anwendungen unterdrückt werden. Der Hautausschlag verlagert sich im ungünstigen Fall in das Körperinnere und der Betreffende kann dann plötzlich unter Asthma oder Heuschnupfen leiden. Das würde bedeuten, dass ein weiter innen liegendes und viel zentraleres Organ als die Haut betroffen wäre. Dieser Verlauf einer chronischen Krankheit wäre äußerst ungünstig und würde eine sogenannte Vertiefung der Pathologie bedeuten.

Hahnemann unterschied jedoch deutlich äußere Krankheitszeichen, die von einer Beschädigung oder Verletzung herrühren von denen, die ihre Ursache nicht von außen bekommen haben, sondern eher Ausdruck eines inneren Leidens sind (sog.'Lokal-Übel').
An dieser Stelle schrieb Hahnemann, dass eine Verletzung von außen eine chirurgische oder anderweitig mechanische Hilfe verlangt - hingegen aber ein 'Lokal-Übel', das seine Ursache in einem inneren Leiden hat, auf homöopathische Weise behandelt werden sollte.
Das sog.'Lokal-Übel' (z.B. ein Hautausschlag) steht vikariierend (stellvertretend) für ein inneres Leiden – es beschwichtigt vorläufig die innere Beschwerde.   
Aus diesem Grund sollen die äußeren Krankheitszeichen einer chronischen Krankheit nicht äußerlich behandelt oder getilgt werden, weil diese sichtbaren Zeichen oftmals der einzige wahrnehmbare Ausdruck einer chronischen Krankheit sind.
Sie verweisen sozusagen auf einen innerlichen Zustand, der nicht in Ordnung ist.

Allopathische Medikamente können die natürlichen Symptome einer Krankheit verwischen oder auch unterdrücken / im Gegenzug können neue, 'künstliche' Symptome des eingesetzten Medikaments auftreten.
Eine erfolgversprechende Mittelfindung ist dann um so schwieriger.
Es gibt aber auch Patienten, bei denen sich die Symptome durch allopathische Medikamente kaum oder gar nicht unterdrücken lassen. In solchen Fällen spricht man im homöopathischen Sinne davon, dass diese Menschen eine starke 'Lebenskraft' besitzen.